Im Daodejing (Tao Te King), Kap. 28, wird der Begriff "Wu Ji" erwähnt. Übersetzt bedeutet er ungefähr Grenzenlosigkeit, Extremlosigkeit, oder "ohne Firstbalken".

Kenne das Männliche, bewahre das Weibliche,
so wirst du zum Strombett der Welt.
Bist du das Strombett der Welt,
verlässt dich die wahre Tugend nicht,
und du kehrst wieder heim zum Kindsein.
Kenne das Lichte, bewahre das Dunkle,
so wirst du zum Vorbild der Welt.
Bist du ein Vorbild der Welt,
mangelt dir die wahre Tugend nicht,
und du kehrst wieder heim ins Grenzenlose.
Kenne die innere Größe, bewahre die Demut,
so wirst du zum Tal der Welt.
Bist du das Tal der Welt,
hast du der wahren Tugend Fülle
und kehrst wieder heim zur Ursprünglichkeit.
Ist die Ursprünglichkeit zerteilt,
so gibt es die nützlichen Menschen.
Wendet der Weise sie an,
wird er zum Leiter der Menschen.
Darum:
Das wahrhaft Große ist ungeteilt.
Lao-Tse
Tao Te King
Kapitel 28
Übertragung von Zensho W. Kopp

Der Begriff "Tai Ji" bedeutet "oberster Firstbalken" oder "das Höchste Äußerste". Der chinesische Philosoph Zhou Dunyi (1017 – 1073 n. Chr.) beschreibt das Verhältnis von Wu Ji und Tai Ji:
"Wu Ji und dann Tai Ji. In Bewegung bringt das Tai Ji das Yang hervor. Wenn die Bewegung das Äußerste erreicht hat, entsteht Ruhe. Ruhend erzeugt das Tai Ji das Yin, doch wenn die Ruhe das Äußerste erreicht hat, entsteht Bewegung. Bewegung und Ruhe wechseln einander ab. Jede ist die Wurzel des anderen."
In einem Diagramm (Abbildung links) erläutert Shao Yong (chinesischer Philosoph, 1011 - 1077 n. Chr.) wie aus dem Wu Ji über das Tai Ji und den 5 Wandlungsphasen die Ordnung der 8 Trigramme entsteht (von unten nach oben).
Durch die spiralenförmige Darstellung des Tai Ji wird die dynamische Wechselwirkung von Yin und Yang deutlich.
Eine Variante des Tai Ji Symbols von Shao Yong und die Zeichen "Fu Gui Wu Ji" werden von der Taiji (Tai Chi) & Qigong Schule Freising verwendet.
Mehr Informationen bei der Vortragsreihe von Reinhold Schröcker


Die Kalligrapie "Fu Gui Wu Ji" (siehe oben) wurde im September 2006 von dem Kalligraphen Chang Kezhou (rechts im Bild) in Xian geschrieben.
Chang Kezhou, Künstlername Moshan (= Tuscheberg) aus Xian (Provinz Shanxi, China) graduierte an der Maolin Kunstakademie in Tianjin in Kalligraphie. Seine Schreibkunst vereint moderne Stile mit denen berühmter klassischer Kalligrahen wie Ouyang Xiu oder Wang Xizi. Er vereint in seinen Werken die Elemente von 4 bedeutenden Stilrichtungen zu einem harmonischen Ganzen mit seiner ganz persönlichen Charakteristik. Seine Kalligraphien, Portraits und Landschaftsmalereien waren weltweit auf zahlreichen Ausstellungen zu sehen.